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#4 Das transgenerationale Trauma


Ja – die letzte Episode hatte es in sich! Diese wird nicht weniger anstrengend.

 

 

Wie ging es dir mit der Geschichte aus Folge 3? So direkt aus dem Blickwinkel einer Betroffenen? Auch, wenn das Geschehene schon mehr als 6.000 oder 7.000 Jahre her ist?

 

Was hast du empfunden, als du gehört oder gelesen hast, dass diese fremden Männer die friedliche, matrifokale Sippe überfallen hat? Kamen dir Assoziationen zu heutigen Geschehnissen?

 

Wir schauen uns heute an, warum wir selbst heute noch die gleichen Gräueltaten immer und immer wieder erleben, wie sie damals vor 7.000 Jahren begonnen haben. Warum sie entstanden sind, hatte ich in Episode 2 schon erklärt. Eventuell musst du die Folge noch einmal hören oder lesen.

 

Traumatisierte Menschen traumatisieren wieder. Und wieder. Und wieder.

 

Nicht nur, dass sie sich beständig immer wieder in die gleichen oder ähnlichen Situationen begeben, die sie selber traumatisiert haben, weil es Situationen sind, die sie kennen und die vertraut sind. Dazu erzähle ich mehr im nächsten Beitrag.

 

Sie tun aus Selbstschutz und Selbstbestätigung das Gleiche oder Ähnliches anderen Menschen an. Und irgendwann hat sich die Gewalt als „normal“ etabliert, wir kennen es nicht anders.

 

Im Kleinen - die Mutter oder der Vater, die das Kind schlagen, weil sie selber als Kinder von ihren Eltern geschlagen wurden. „Das hat mir früher auch nicht geschadet!“, kommt dann oft als Rechtfertigung.

Im Großen – Kriege zwischen Nationen um Ideologien, Ressourcen oder Gebietsansprüche.

 

Mittlerweile empfinden wir oft Lust, wenn wir gewalttätige Darstellungen z. B. in einem Spielfilm sehen. Der Held, der mit Waffengewalt gegen die Bösewichte vorgeht, vorher aber von den Bösewichten erst einmal selber misshandelt und eventuell sogar gefoltert wird.

In Krimis gibt es immer mindestens einen toten Menschen und wenn wir uns die Sterberate der Vorabendkrimis im deutschen Fernsehen anschauen, dann müsste Deutschland mittlerweile nahezu Entvölkert sein.

 

Pornografische Darstellungen müssen immer noch gewalttätiger und grausamer sein, um bei ihren Zuschauern noch einen „Kick“ zu erzeugen. Am Schlimmsten sind Pornos, die mit Kindern gemacht werden, je jünger und kleiner, desto größer der „Kick“.

 

Und selbst die Nachrichtensendungen oder Zeitungen verkaufen sich besser, wenn in den Schlagzeilen gewalttätige Ereignisse stehen: das x-te „Familiendrama“, wenn wieder ein Mann eine Frau umgebracht hat, die sich von ihm trennen oder ein anderes Leben ohne diesen Mann leben wollte. Das schwere Zugunglück, der Flugzeugabsturz oder ein Bombenanschlag.

 

Wir werden täglich mit Gewalt, Leid und Tod im wahrsten Sinne des Wortes „bombardiert“ und ganze Industriezweige machen damit ordentlich „Kasse“.

 

Wie sich das entwickelt hat, versuche ich in dieser Folge aufzudröseln. Mal sehen, ob ich das schaffe.

 

Um das patriarchale System zu festigen und am Laufen zu halten, wurden neue Regeln und Gesetze eingeführt. Zum Beispiel, dass ab sofort nur noch die männlich-väterliche Abstammungslinie galt – die Patrilinearität.

 

Diese ist aber nun einmal nicht natürlich nachweisbar, sondern ist nur durch absolute Kontrolle über die Sexualität der Frauen zu erreichen – und selbst hier gab und gibt es immer Lücken und Schlupflöcher. Denn die natürliche, evolutionsbedingte Female Choice kann nur mit massiver Gewalt unterdrückt werden. Und da ist es egal, ob es sich um weibliche Menschen oder Kühe, Pferde, Schafe, Hühner oder Schweine handelt. Um nur ein paar „Nutz-“Tiere zu nennen. Erst seit wenigen Jahrzehnten ist es technisch möglich, die Vaterschaft anhand eines DNA-Tests zu 99% zu bestätigen. Und nur so.

 

Männer, die sich konform verhalten, wurden und werden bis heute vom System unterstützt, weshalb sich im Laufe der Zeit eine Männlichkeit entwickelt hat, die wir heute als „toxisch“ bezeichnen.

 

Der Mann muss stark sein, muss seine Gefühle unter Kontrolle haben, darf nur nicht zu weich, zu sanft, zu lieb oder nett sein. Und um hier „seinen Mann“ zu stehen, gilt eben der „Haudrauf“, der „Rambo“ und der mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd reitende Vladimir Putin als toxische Rolemodels für den „richtigen Mann“.

Kampfspiele und Wettkämpfe sollten auf friedliche Art und Weise den „Besten der Besten der Besten“ hervor bringen und nur, wer hier im Spiel, auf dem Schlachtfeld oder im Unternehmen erfolgreich ist, ist eben ein echter Mann.

 

Hier muss ich kurz an den letzten Beitrag anknüpfen:

 

Die „weichen, sorgenden und mitfühlenden“ matrifokalen Männer passten von Haus aus nicht ins neue, patriarchale System. Zusätzlich waren sie sexuelle Konkurrenten über die eroberten Frauen. Alleine aus diesem Grund schon durften sie nicht am Leben bleiben. Die wenigen, indigenen Männer, die tatsächlich am Leben blieben, wurden versklavt wenn sie sich nicht ins Exil retten konnten. Ich rede hier immer noch von Alteuropa vor 7.000 Jahren.

 

Später, vor ca. 4.500 Jahren, folgten die Nachfolger der ursprünglichen Hirtennomaden – die Jamnaja- oder Kurgan-Krieger. Und das, was ihre Vorläufer nicht geschafft hatten, vollendeten diese. Aus den Jamnaja-Kriegern entwickelten sich in Südosteuropa die Kelten und in Mitteleuropa die „germanischen“ Stämme, wie die Eburonen, Sueben, Sachsen, Angeln oder Friesen. In den heutigen Regionen von Großbritannien, Spanien und Portugal waren 90% aller indigenen, also vorher dort lebenden Männer, ausgelöscht. Das Kurgan-Genom wurde für die männliche Linie in Gesamteuropa vorherrschend und ist es bis heute.

 

Im neuen Patriarchat musste ein völlig neues Glaubenssystem entwickelt werden – nicht mehr das weiblich-mütterliche mit seiner Gebärfähigkeit und Sicherung der Ernährung durfte im Bewusstsein stehen – jetzt gab es einen, oder mehrere männliche Götter, die die Plätze der weiblich gesehenen Natur einnahmen. Der kosmische Uterus in dem alle Sterne und Welten entstanden, wurde vom himmlischen Vater eingenommen, der noch nicht einmal einen Bezug zu den Sternen hat. Mond und Sonne wurden einer „Geschlechtsumwandlung“ unterzogen und der Tod, das Sterben, was vorher als immanenter Bestandteil des Lebens gesehen wurde, wurde dämonisiert und mit Angst besetzt. Es gilt das „Ewige Leben“ an der Seite des Himmelsgottes anstelle des „ewigen Lebenskreislaufs der Ahnen durch die Geburt im Körper einer jungen Frau aus der gleichen Sippe“.

 

Die Erde durfte zwar weiblich bleiben – als „Mutter Erde“ - aber in ihren Höhlen, Quellen und Seen lebten nun Dämonen und „böse“ Geister. Obendrein trat der erste „Muttermord“ auf, z. B. beschrieben in der sumerischen Enuma-Elish.

 

Leben wurde nicht mehr durch den mütterlichen Körper geboren, aus ihrem Uterus und ihrer Vulva, sonder durch die Köpfe, Rippen, Füße oder Achseln von männlichen Gottheiten.

Um dieses unnatürliche und obendrein unlogische „Glaubenssystem“ am Laufen und am Leben zu erhalten, musste gewaltiger Druck auf die Menschen – hier wieder besonders auf die Frauen – ausgeübt werden.

 

Ich fasse das mal kurz zusammen, denn hier könnte ich noch ewig weiter machen:

 

Das neue, patriarchale System, das sich langsam aber sicher über die damals bekannte Welt ausbreitete, konnte nur mit massiver Gewaltanwendung bestehen. Und tut es bis heute noch.

 

Diese Gewalt wurde von Generation zu Generation neu inszeniert, neu aufgesetzt und neu verbreitet.

 

Wenn die Initialzündung die Überfälle auf die matrifokalen Sippen rechts und links und nördlich und südlich des Kaukasus vor ca. 8.000 Jahren war, so entstanden im Laufe der folgenden Jahrtausende die ersten, sogenannten Hochkulturen. Dass es schon lange davor matrilokale Hochkulturen, wie Catal Höyük, gab, erwähne ich hier nur am Rande. Diese wiesen sich durch das Fehlen von Abwehrstrukturen, wie Wälle, Gräben oder Wachtürme, als absolut friedliche Kulturen aus.

 

Auch gab es noch lange eine Art Mischkultur, die in der heutigen, modernen Matriarchatsforschung „Matriarchate“ genannt werden, die aber durch und durch patriarchal sozialisiert waren. Denn es gab Herrschende, ein organisiertes Klerikertum mit männlichen und weiblichen PriesterInnen – und natürlich Kriege mit den benachbarten Regionen. Sie beteten gleichzeitig männliche Himmelsgötter und weibliche Erdgöttinnen an. Was sich aber auch vermischen konnte. Also weibliche Himmelsgöttinnen und männliche Erdgötter.

 

Angefangen von den Sumerern, über die Hethiter, Assyrer, Babylonier, den alten Ägyptern, über die alten Griechen, den Kelten, Germanen, zu den Römern und zum Christentum und nachfolgend dem Islam – alle konnten sich nur durch kriegerische Eroberungsfeldzüge halten.

 

Die „Völkerwanderung“ nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches, die Eroberungsfeldzüge der Hunnen, die Kreuzzüge ins „Heilige Land“ und als spätere „Retourkutsche“ die Türkenfeldzüge. Die Reformation und der 30. jährige Krieg, gleichzeitig die Hexen- und Ketzerverfolgungen, aber auch die immer wiederkehrenden Pestepedemien wirkten und wirken bis heute epigenetisch in unserer DNA. Der erste und der zweite Weltkrieg haben unsere Eltern und Großeltern nachhaltig beeinflusst. Und auch, wenn wir heute keine direkten Kriegserfahrungen am eigenen Leib erleben (hoffentlich!), triggern uns unbewusst Situationen oder Begebenheiten, die unsere direkten Vorfahren erlebt haben.

 

Bis heute wurde in uns der Frieden nachhaltig zerstört. Unsere verinnerlichte Konfliktlösung ist immer noch das alttestamentarische „Auge um Auge – Zahn um Zahn“. Und da die seelische Grundstruktur im Patriarchat das „Sich erheben über andere“ ist, also: um nach oben zu kommen, muss man nach unten treten, entstand eine „Obere“ Gesellschaft und eine „Untere“.

 

Die „obere“ Gesellschaft sind die „weißen, alten Männer“ mit viel Macht und Geld, denen es schnurzpiepegal ist, ob es anderen Menschen gut geht. Hauptsache ihnen geht es gut und sie können unbehelligt allen ihren Schandtaten nachgehen (es gab und gibt natürlich auch sehr mächtige afrikanische oder asiatische HERRscher, die hier aber nicht minder patriarchalisiert sind und nur bei den weißen HERRen gut abgeschaut und gelernt haben).

 

Die „untere“ Gesellschaft ist der große Rest, der der „oberen“ Gesellschaft zuarbeitet, in der Hoffnung, selber ein klitzekleines bisschen weiter in der Hierarchie aufzusteigen.

 

Das Wort „Hierarchie“ kommt ja aus dem Griechischen und bezeichnet die „Heiligen“, die die „oben“ stehen, die obersten Zuerst. Aus mater archae (Mütter im Ursprung) wurde das hieros archae (die Obersten zuerst) und dann zum pater archae (Väter zuerst).

 

Uns heutigen Menschen fällt es so unendlich schwer, aus diesem gewalttätigen System auszusteigen. Alleine unsere Sprache ist durch und durch kriegerisch, androzentrisch, bedürfnisfern und lebensfeindlich. Wer sich mit der „gewaltfreien Kommunikation“ nach Rosenfeld befasst, weiß wovon ich hier rede.

 

Zum Generationen übergreifenden Trauma gehört zwingend das kollektive Stockholm-Syndrom, bzw. die kollektiven, Generationen übergreifenden Täterintrojekte. Warum davon hauptsächlich wieder die Frauen betroffen sind, erzähle ich dir im folgenden Blogbeitrag „Das kollektive Stockholm-Syndrom“.

 

Zum Weiterlesen und Weiterforschen, habe ich hier noch weiterführende, zum Thema passende Links zu Blogs und Podcast-Episoden:

 

https://marthastochter.wordpress.com/2022/05/06/female-choice/

https://marthastochter.wordpress.com/2020/05/18/der-praktizierte-gegensatz-zu-der-uns-angeborenen-matrifokalitaet/

https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/

https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim

(Und ergänzend dazu ihr grandioses Buch “Archäologie und Macht”, das du im obigen Link findest)

 

https://www.scinexx.de/news/geowissen/mysterioeser-maennerschwund-in-der-steinzeit/

https://www.iflscience.com/spanish-men-were-completely-wiped-out-by-the-arrival-of-a-new-tribe-4000-years-ago-49937

https://kirstenarmbruster.wordpress.com/2022/02/22/putin-der-stahlerne-das-patriarchat-braucht-immer-einen-heros/

 

Eine gute Zusammenfassung über das Neolithikum mit vielen Bildbeispielen findest du hier:

 

https://kirstenarmbruster.wordpress.com/gott-mutter-darstellungen-vom-neolithikum-bis-zum-mythologischen-muttermord-1/

 

 

Wie geht es dir mit diesen Tatsachen? Wo ist dein “Frieden”? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

 

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