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#7 Mutterkarma


Ich greife hier auf den letzten Blogbeitrag zurück, denn die Mutterschuld und das Mutterkarma sind untrennbar miteinander verknüpft.

 

Im Laufe dieses Blogs hast du nun erfahren und gelernt, dass wir heutigen Menschen Nachfahren eines gewalttätigen, sozio-kulturellen Umsturzvorgangs sind, mehr oder weniger das Ergebnis einer lange zurück stattgefundenen Vergewaltigung einer deiner Ahnmütter. Auch sind wir heutigen Menschen „Zuchtprodukte“ des Patriarchats.

 

So wie die ersten Viehzüchter mit Absicht die Auswahl trafen, welcher Stier welche Kuh besteigen durfte, welcher Hengst und welche Stute zur Zucht ausgewählt wurden, so wurden auch Frauen und Söhne gezüchtet. Töchter waren das Nebenprodukt und wenn sie brav, folgsam, keusch, still und fleißig waren, hatten sie gute Chancen auf einen angemessenen Ehemann.

 

Das Wilde, Ursprüngliche, Mutige in den Frauen wurde recht schnell ausgemendelt, Kraft, Mut, Durchsetzungsvermögen und Aggressivität wurden hingehend zu männlichen Eigenschaften postuliert.

 

Den Frauen (und damit allen Müttern) wurde gewaltsam ihre evo-biologische „Female Choice“ verwehrt, also der Ort, die Zeit, den Partner und die Art des Geschlechtsverkehrs selbst frei zu wählen. Und eben für jedes Kind auch einen anderen Erzeuger zu haben. Was die genetische Varianz und damit die Gesundheit der Gattung Mensch über Jahrhunderttausende stabil gehalten hatte.

 

Sehr schnell, innerhalb weniger Jahrhunderte, breitete sich das Viehzüchter-Patriarchat nach Ost und West, nach Norden und Süden aus. Davon verschont blieben nur bis vor wenigen Jahrhunderten die Amerikas und Ozeanien.

 

Die sich nach der Misox-Schwankung langsam entstehende Sesshaftigkeit mit einer frühen Form von Gartenbaukultur war immer noch matrifokal organisiert, ohne Abwehrmauern und freundlich, offen und zuvorkommend fremden Männern gegenüber, denn sie bedeuteten „frisches Gen-Material“ für die Frauen.

 

Hier hatten einerseits die Viehzüchter-Nomaden leichtes Spiel, andererseits mussten sie für ihre Ideologie „Patriarchat“ massiv Gehirnwäsche betreiben und Gewalt ausüben, um die Ur-Mutter, die aus sich selbst die Welt Erschaffende, aus den Gehirnen, den Seelen und den Lebenswirklichkeiten der Urbevölkerung auszulöschen.

 

Aus der lebensspendenden „Mutter Natur“ wurde der eifersüchtige und rachsüchtige „Gott Vater im Himmel“.

 

Um wieder auf das Mutterkarma zurück zu kommen:

 

Der Begriff „Karma“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet grob übersetzt „Erbsünde“ oder „Ur-Schuld“. Etymologisch heißt „kar“ Schwarz und „ma“ ist die Mutter, also heißt „Karma“ „Schwarze Mutter“.

 

Die indische Ur-Mutter „Kali“ ist die schwarze Göttin, die mit lang heraus gestreckter roter Zunge, die das Menstruationsblut symbolisiert. In der einen Hand hält sie einen Säbel und in der anderen Hand die abgeschnittenen Köpfe ihrer Gegner. Um ihren Hals trägt sie eine Kette aus Schädeln, an ihrer Hüfte baumeln an einem Gürtel die abgeschlagenen Arme und Beine ihrer Widersacher. Sie ist der Ursprung des Universums und sein Untergang und gerade im einfachen Volk wird sie als Erlöserin von Mühe und Drangsal verehrt.

 

Im Hinduismus wurden im Laufe des Patriarchalisierungsprozesses „Kasten“ eingeführt, Ränge und Rangstufen, in die die Menschen eingeteilt wurden und bis heute werden. Dieses ist zutiefst rassistisch, denn die niedrigste Stufe, die Unberührbaren, gehören noch nicht einmal in das 4-stufige Kastensystem. Hier sind alle Menschen mit sehr dunkler Hautfarbe, die einfache, meist sehr schmutzige Arbeiten verrichten, wie das Säubern der Kloaken, zugeordnet. Ihrer Stufe haftet der Makel an, dass, wer hier hinein geboren wurde, ganz besonders als Frau, in einem früheren Leben etwas sehr Schlimmes getan hat, vielleicht jemanden ermordet.

 

Sehr oft wurden hier die indigenen Urbevölkerungen Indiens mit hinein kategorisiert.

 

Die höchste Kaste ist den „Brahmanen“ vorbehalten, sie sind kaukasischen Ursprungs und haben meist eine sehr helle Hautfarbe. Sie sind die einzigen, die die Rituale für die Götter durchführen dürfen. Der Brahmanenstatus wird vom Vater an den Sohn vererbt. Stirbt ein Brahmane und hat in seinem Leben viel Gutes getan, dann kommt er ins „Nirvana“ und sitzt zur Seite „Athmans“, der höchsten spirituellen Emanation im Hinduismus.

Karma heißt im Hinduismus, dass jeder Mensch sich im Leben so verhalten muss, dass er im künftigen Leben in einer höheren Kaste wiedergeboren wird.

 

Wir benutzen heute den Begriff „Karma“ synomym zu „Ursache und Wirkung“ - ich habe etwas getan und muss mit den folgenden Konsequenzen leben.

 

Also noch einmal: „Mutterschuld und Mutterkarma“ sind nicht bewusst entstanden, sie sind der unbewusste, psychische Überlebensmechanismus, um uns und unsere Kinder im patriarchalen System irgendwie am Leben zu halten. Denn die menschliche Evolution lässt sich einfach nicht austricksen.

 

Zur Mutterschuld und zum Mutterkarma gehören leider auch Dinge und Tätigkeiten, die Mütter ihren Töchtern antun mussten und teilweise bis heute tun.

 

Hierbei handelt es sich um patriarchale Regeln und Gesetze, die die Töchter zur Angepasstheit erziehen sollten. Angefangen von der totalen Kontrolle über die Sexualität der Töchter, Bestrafungen bei Zuwiderhandlungen auch kleinster Vergehen, das Verwehren ausreichender Nahrung, dem Ohrlochstechen kleiner Mädchen, die den Sexualakt vorab symbolisieren soll, bis hin zur Genitalverstümmelung.

 

Das Abschneiden der Klitoris und der Vulvalippen und dem anschließenden Zunähen der Vagina mit nur einem kleinen Loch für Urin und Menstruationsblut soll für die „Reinheit“ des Mädchens sprechen, denn jeder Sexualakt kann nun nur noch mit dem Aufschneiden der Vagina durchgeführt werden. Wenn die Mütter die Genitalverstümmelung selber nicht ausführen, dann beauftragen sie eine „Spezialistin“.

 

Auch gehören hier alle Menstruationstabus weltweit dazu.

 

Im kaiserlichen China mussten die Mütter der Oberschicht ihren kleinen Töchtern die Füße so verbinden, dass das natürliche Wachstum des Fußes behindert wurde. Diese jahrelange Prozedur war sehr schmerzhaft für die Mädchen und sie konnten nie wieder frei und ungezwungen herum laufen. Sie konnten maximal klitzekleine Trippelschritte unter großen Schmerzen machen. Keine „ehrbare“ Frau war mehr in der Lage, einem Mann davon zu laufen.

 

In Europa entstanden Kleidervorschriften mit langen Röcken und eng geschnürten Taillen, die zum einen die Luft zum Atmen und zum anderen die Bewegungsfreiheit einschränkten. Die Mutter war die Person, die ihrer Tochter das Korsett zum ersten Mal schnürte, wenn keine Dienstmägde vorhanden waren.

 

Söhne wurden bevorzugt, denn sie legitimierten das Dasein der Mutter. Durch den erstgeborenen Sohn hatte die Mutter ihren Status in der Familie ihres Mannes endlich gesichert.

 

All dies wirkte und wirkt sich bis heute sowohl bei Frauen/Töchtern als auch bei den Männern/Söhnen katastrophal aus. Der Verlust des menschlich-mütterlichen Kontinuums ist die Ursache fast aller heutigen, psychosozialen Probleme, denn hier konnte das Innere Kind niemals zu einer erwachsenen, reifen Person heran wachsen.

 

Natürlich gab es im Laufe des Patriarchalisierungsprozesses auch mächtige und mutige Frauen, die sich bis an die Weltspitze bringen konnten.

 

Aber das haben sie nur geschafft, weil sie sich innerhalb des patriarchalen Systems so konform verhielten, dass sie wie Männer angesehen wurden. Sie haben die gleichen Machtwerkzeuge wie ihre männlichen Kollegen genutzt, seien es Kriege, Eroberungen oder die Finanzierung solcher Projekte.

 

Mary Daly hat diese Frauen in ihrem grandiosen Standardwerk Gyn/Ökologie „Femboter“ genannt, „female robots“, also Roboter, die ihrer (patriarchalen) Programmierung treu folgen aber im Außen als weibliche Personen mit allen dazugehörigen Attributen erscheinen. Und weil diese „Machtfrauen“ getreu der patriarchalen Linie agierten, errangen sie auch Ruhm und Status. Das gilt heute noch genauso wie vor 2.000 Jahren.

 

Im nächsten Blog-Artikel schauen wir uns an, wie sich all das mitsamt dem Verlust des menschlich-mütterlichen Kontinuums auf uns und unser aller heutiges Leben auswirkt. Denn hier liegen alle Ursachen für unsere heutigen Probleme. Seien es Bindungs- und Beziehungsstörungen, Partnerschaftsgewalt, Süchte, Depressionen, kollektive, Generationen übergreifende, posttraumatische Belastungsstörungen und auch alle Neurosen haben hier ihren Ursprung.

 

Zum Weiterlesen und Weiterforschen, habe ich hier (in der Beschreibung) wieder weiterführende, zum Thema passende Links zu Blogs und Podcast-Episoden aufgeführt:

 

https://marthastochter.wordpress.com/2022/05/06/female-choice/

https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice

https://de.wikipedia.org/wiki/Kaste

https://de.wikipedia.org/wiki/Brahmanen

https://afeministblog.blogspot.com/2011/02/chinese-foot-binding-versus-european.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Weibliche_Genitalverst%C3%BCmmelung

https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BC%C3%9Febinden

 

Hier findest du diesen Beitrag zum Anhören eingebettet bei YouTube:

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