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#11 Männer und das menschliche Kontinuum


Was unterscheidet denn die heutigen Männer unseres Kulturkreises von denen, die vor der Patriarchalisierung lebten? Was unterscheidet sie von indigenen Männern aus Südamerika, Ozeanien oder Australien, bevor die europäischen Kolonialisten sie zwangen, ihre Identität aufzugeben?

 

Hier wiederholte sich übrigens die Geschichte der Kurgan-Krieger, die zu Beginn der Kupfersteinzeit die indigenen Menschen Mitteleuropas und Asiens mit ihrer neuen Ideologie der Vieh- und Menschenzucht okkupierten. Und dabei mal so eben fast die gesamte männliche Urbevölkerung auslöschten. Lies dazu gerne noch einmal die Blogartikel #2 und #3.

 

Alle Männer auf der ganzen Welt erblicken zuerst als Söhne ihrer Mütter das Licht der Welt. Das hat sich evolutionionär seit Jahrmillionen so entwickelt und falls DER patriarchalisierte Mensch hier nicht technologisch etwas erfindet, wird sich das auch in Zukunft nicht ändern.

 

Alle männlichen Attribute entwickeln sich erst im Laufe der Zeit. Und hier spielt die kulturelle Gesellschaft, in die du als Sohn und Mann hinein geboren wurdest, eine sehr große Rolle.

 

In Kontinuumsgesellschaften werden kleine Jungs genauso behandelt wie kleine Mädchen. Gleich nach der Geburt werden sie an die Brust der Mutter gelegt, Mutter und Sohn können sich in den vierzig Tagen des Wochenbetts im Außen kennen lernen und die Mutter hat alle Unterstützung von ihrer eigenen Mutter, ihren Schwestern, Muhmen*, Cousinen und Nichten und allen anderen nahen und fernen Verwandten ihrer mütterlichen Kunni**.

 

Sie werden so lange am Körper der Mutter oder einer anderen nahen Beziehungsperson getragen, bis sie anfangen, sich von deren Körper zu lösen und selbständig ihre Umwelt zu erkunden. Mütter geben die Sicherheit, immer für die Kinder da zu sein, wenn diese die Hilfe oder Unterstützung von ihr brauchen. Aber sie kontrollieren nicht, sie behüten nicht, sie „passen nicht auf“. Denn durch die vorher erlebte, enge körperliche Bindung zur Mutter, haben Kontinuumskinder alles erfahren, was sie bis dahin brauchen.

 

Sie haben Kontakte zu anderen Menschen innerhalb und außerhalb der Kunni** bekommen, sie wurden von kleinen Kindern, größeren Kindern und jungen und alten Erwachsenen getragen und mit ihnen wurde gespielt. Sie sahen vom Rücken der Mutter oder ihrer Hüfte aus alles, was die Umgebung bat – Natur, Hausarbeit, Nahrungsbeschaffung und -zubereitung, dem Umgang mit gefährlichen Dingen wie Feuer oder scharfen Messern, Spiel, Tanz, Sex und auch Konflikte und den Tod.

 

Grenzen werden nur gezogen, wenn das Kind mal etwas tut, was in der Kontinuumsgemeinschaft als nicht angemessen angesehen wird. Dann wird das Kind aber nicht geschlagen, in die Ecke gestellt oder abgewertet, denn die Erwachsenen sind immer (!) das lebende Vorbild der Kinder. Und da alle Erwachsenen selber im Kontinuum groß geworden sind..... to be continued.

 

Durch diese Kontinuumserfahrungen haben alle Kinder – und damit natürlich auch die Erwachsenen – ein gesundes Selbstbild und Selbstbewusstsein und eine innere Stärke und Kraft, konstruktiv und lösungsorientiert mit Problemen umzugehen.

 

Erwachsene Männer schämen sich nicht, bei Schmerz oder Trauer Trost bei ihren Müttern zu suchen. Sie brauchen kein „grandioses Selbstbild“, denn sie müssen niemandem „etwas Beweisen“, am allerwenigsten ihren Eltern. Sie spielen freudig mit den kleinen Kindern, werfen sie in die Luft oder lassen sie als „Flieger“ durch die Luft kreisen. Sie lassen Kinder aller Altersklassen zuschauen wenn sie etwas machen, einen Gegenstand herstellen oder Nahrung zubereiten, und sie beantworten mit einer Engelsgeduld alle Fragen der Kinder, seien sie noch so eigenartig.

 

Kontinuumsmänner haben als Kinder schon gelernt, achtsam mit den ganz kleinen Kindern umzugehen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen und sehr, sehr geduldig zu sein. Das heißt, sie wissen, wie, wo und wann Schutz und Nähe zu gewähren sind und wann nicht. Dabei sind sie nie aggressiv den Kindern gegenüber.

 

Sie sind lebende Vorbilder für die junge Generation, denn durch ihr eigenes Verhalten halten sie das Kontinuum aufrecht.

 

Ein Kontinuumsmann muss sich nicht mit Erfolgen brüsten, denn durch das von Geburt an erworbene und erlebte Gefühl des Angenommenseins in der Kunni**, genau richtig zu sein, so wie er ist, hat er keinen seelischen oder emotionalen Mangel, den er ausgleichen muss. Er muss niemandem beweisen, was für ein „toller Hecht“ er ist, weil er die wohltuende „Richtigkeit“ des eigenen Selbst erlebt hat, da er sie in der Phase des Getragenwerdens erlebt hat.

 

Kontinuumsmänner brauchen keine Statussymbole, denn wen wollten sie damit beeindrucken? Die Mitglieder seines eigenen Kontinuums kennen ihn gut genug, sodass er hier niemandem Imponieren muss. Er war von Geburt an willkommen in der Kunni** und durfte sich zu dem Menschen entwickeln, der er jetzt ist.

 

Kontinuumsmänner leben eine freie, natürliche und ungezwungene Sexualität, die nichts von der Frau, der Sexualpartnerin, fordert. Sie wissen, dass der erste Schritt von der Frau aus geht und dass dem Sexualakt nichts Gewaltvolles oder gar Dominierendes zugrunde liegt. Beide achten sich als gleichwertige Menschen, die sich auf Augenhöhe begegnen. Weder vorher noch nachher suchen sie emotionale „Erfüllung“ oder bestimmte Erwartungen im Gegenüber. Denn die emotionale Erfüllung haben sie ja bereits seit der Geburt im Kontinuum ausreichend erfahren. Auch wurden alle ihre Bedürfnisse, und somit alle Erwartungen, in der frühen Kindheit befriedigt.

Männer im Kontinuum haben eine innere Leichtigkeit, denn worüber sollten sie sich Sorgen machen? Treten Probleme auf, wird gemeinsam überlegt und daran gearbeitet, sie zu lösen. Kein Mann ist je auf sich alleine gestellt, hat er doch die Gemeinschaft seiner Kunni** oder der Weggefährten, sollte er mal nicht in seiner Gemeinschaft sein.

 

Kontinuumsmänner lieben Spiele und Spaß und sind Bewusstseins erweiternden Drogen aufgeschlossen. Nie werden sie allerdings im Rausch Gewalttätig oder entwickeln Süchte, denn Süchte entstehen durch den Mangel an Kontinuumserfahrungen. Und diese wurde ihnen von Geburt an zur Genüge gewährt.

 

Lieber Mann, wenn du nun diese Definitionen gelesen oder gehört hast, was macht das mit dir? Ganz besonders, da du zu 99% eben nicht kontinuumsgerecht aufwachsen konntest? Du deshalb vielleicht auch Copingstrategien entwickeln musstest, um diesen Mangel auszugleichen. Rauchst du, trinkst du Alkohol auf eine Art und Weise, die dir nicht gut tut, suchst du Bestätigung in deiner Arbeit, in deiner Freizeit, suchst du Statussymbole, suchst du sexuelle Bestätigung bei vielen verschiedenen Frauen, die doch nur deine verzweifelte Suche nach der An-Bindung ins Kontinuum ist?

 

Du merkst hier, dass der Mangel an Kontinuumserfahrungen massive Auswirkungen auf unser Alltagsleben in unserer modernen Kultur hat. Und alle diese Mangelerfahrungen früher oder später zu Konflikten führen.

 

Solltest du nicht verstanden haben, warum du nicht Kontinuumsgerecht aufwachsen durftest, dann empfehle ich dir, noch einmal alle Blogartikel zu lesen. Von Teil #1 bis Teil #10. Und wenn dann bei dir immer noch Unklarheiten bestehen, dann bitte alles noch einmal von Vorne. So lange, bis dir klar geworden ist, warum wir in unserer heutigen „modernen“ Gesellschaft so unmenschlich, grausam und empathielos mit unseren Kindern, mit unseren Mitmenschen und mit uns selbst umgehen.

 

Wenn du nun die Ursachen verstanden hast, was kannst du konkret tun, um unsere Gesellschaft wieder kontinuumsgerechter zu gestalten?

 

Zu aller erst akzeptiere, dass du der Sohn deiner Mutter bist. Du hast ihre Traumatisierungen geerbt, das was sie von ihrer Mutter und diese wiederum von ihrer Mutter geerbt hat. Lese gegebenenfalls noch einmal die Artikel #4 bis #7.

 

Du kannst sofort anfangen, deine Mutter und deine Geschwister, so du hast, zu unterstützen. Sei für sie da, hilf ihnen bei kleinen und großen Aufgaben, die sie nicht alleine erledigen können, sei ihnen emotionale und seelische Stütze. Wenn deine Schwester Kinder hat, oder du Nichten und Neffen hast, dann sei diesen Kindern ein positives Rollenmodell fern aller toxischen Männlichkeit.

 

Überdenke bitte auch das soziologische Konzept der „Vaterschaft“. Denn „Vaterschaft“ bedeutet immer Macht und VerfügungsGEWALT über eine Frau und ihre Kinder zu haben. Unser nahezu weltweites soziales und gesellschaftliches System ist das vor ca. 8.000 Jahren entstandene Patriarchat, dass sich in den letzten 2.000 Jahren zur Perfektion feingeschliffen hat. Mit all seinen äußerst negativen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Mitwelt – unsere einzige Heimat, die Erde.

 

Wenn dir als Mann klar ist, dass der 50:50 Anteil – also der jeweils Hälftige, gleiche Anteil an der Entstehung eines Menschenkindes – ein patriarchaler Mythos ist, der mittlerweile durch moderne Forschungsarbeit ad absurdum geführt wurde, dann erkennst du, dass unsere ganze heutige Welt auf einer Verschwörungstheorie aufgebaut ist.

 

Würde sich allerdings die Wissenschaft nicht dem patriarchalen System unterwerfen und diesen Mythos am Leben erhalten, dann wäre wahrlich ein Paradigmenwechsel möglich.

 

Denn tatsächlich beträgt der Anteil des Mannes bei der Entstehung eines Kindes nur 0,01% zu 99,9% Anteil der Frau.

 

Da dir das nun klar geworden ist und falls du Genitor – also genetischer „Vater“ von Kindern bist, kannst du hier über deinen Anteil am Entstehen dieser Kinder meditieren. Was macht das mit dir? Würde es etwas an deinem Verhalten diesem Kind gegenüber ändern? Würdest du es weniger Lieben, würdest du ihm Kontinuumserfahrungen verwehren?

 

In Kontinuumsgemeinschaften ist es völlig irrelevant, wer der biologische „Genitor“ eines Kindes ist. Denn alle Kinder werden als gleichwertige und vollwertige Mitglieder in der Gemeinschaft gesehen. Und alle Menschen im Nahfeld der Mutter werden automatisch zu „Alloeltern“, zu Beziehungspersonen des Kindes. Keine Frau und Mutter wird jemals mit ihrem Kind alleine gelassen. Und: Kontinuumsmänner erheben keinerlei Ansprüche auf die alleinige Zugehörigkeit zu einer Frau und ihren Kindern, außer zu ihrer eigenen Mutter.

 

Hier kannst du auch deine Beziehung zu deinem eigenen Genitor, deinem Vater, überdenken. Was macht das jetzt mit dir, da du nun weißt, dass „Vaterschaft“ ein rechtlich erhobenes Machtkonstrukt ist? Wie hast du deinen Vater in der Beziehung zu deiner Mutter erlebt, in der Beziehung zu dir, zu deinen Geschwistern, so du welche hast?

 

Bitte bedenke auch, dass du jetzt einen klitzekleinen Einblick bekommen hast, wie es sich für Männer lebt, die nicht im Patriarchat aufgewachsen und erzogen worden sind. Um hier tiefer zu Tauchen, findest du am Ende wieder reichlich Linkst zu Videos, Blogs und Podcasts.

 

Und auch dir als Mann stehen meine Fortbildungsprogramme zur Verfügung, damit du wieder ins menschliche Kontinuum kommen, deine Generationen übergreifenden Traumatisierungen auflösen und deine mütterliche Ahninline heilen kannst.

 

*Muhme ist das altdeutsche Wort für Mutterschwester, wohingegen Tante die Vaterschwester ist.

**Kunni, ist das altdeutsche Wort für matrilineare Gemeinschaften und bezieht sich auf die Ursilbe „ken, kan“, was Vulva, weiblicher Mensch heißt. S. Link unten zu „Matriarchale Gesellschaften“

 

Zum Weiterlesen und Weiterforschen, habe ich hier (in der Beschreibung) wieder weiterführende, zum Thema passende Links zu Blogs und Podcast-Episoden aufgeführt:

 

https://marthastochter.wordpress.com/2020/02/12/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann/

https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/

https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/

https://marthastochter.wordpress.com/2020/01/18/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-iii/

https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat

https://de.wikipedia.org/wiki/Vater

https://de.wikipedia.org/wiki/Patriarchat_(Soziologie)

https://www.die-ahninkette.de/fortbildungen/

 

Hier der ganze Artikel zum Anhören bei YouTube:

 

 

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