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#2 Der Bruch mit dem menschlichen Kontinuum


Der Bruch mit dem menschlichen Kontinuum – die Trennung von Mutter und Kind

 

Leider gibt es keine Forschung dazu, wann der Großteil der Menschheit das menschlich-mütterliche Kontinuum verlassen hat und wie es genau dazu kam.

 

Aber, was wir wissen ist, dass alle patriarchalisierten Gesellschaften nicht mehr das menschlich-mütterliche Kontinuum leben.

 

Und da dieses Thema sehr umfangreich ist, teile ich es auf mehrere Episoden auf. Denn die Auswirkungen aus diesem Verlust sind weltweit für alle Menschen sehr gravierend.

 

Der Patriarchalisierungsprozess fing irgendwann vor gut 8.000 Jahren an, als ein rascher Klimawandel vom Aufwärmungsprozess nach der letzten Eiszeit zu einer relativ kurzzeitigen und rasch eintretenden Abkühlung auf der Erde führte. Das war die so genannte Misox-Schwankung.

Besonders in der Kaukasusregion wirkte sich das verheerend auf die dort lebenden Menschen aus. Denn die bereits entstandenen Wälder mit ihrer vielfältigen Flora und Fauna starben ab und es entstanden die Steppen, die auch heute noch diese Region prägen.

 

Das Problem war, dass das jagdbare Wild und die sammelbaren Pflanzen verschwanden, nur Steppenrinder, Schafe und Ziegen konnten die neuen, harten Gräser fressen und verdauen.

Nun fingen die Jäger diese Tiere lebend ein und sperrten sie erstmals in Pferche, damit sie „Lebendfutter“ in Vorratshaltung immer zur Verfügung haben sollten.

 

Jetzt passierte etwas Weltveränderndes: weil sie entweder nur weibliche oder nur männliche Tiere gefangen und eingepfercht hatten, gab es keinen Nachwuchs. Es wurde den Menschen klar, dass es mindestens ein männliches Tier braucht, um Nachwuchs zu erschaffen!

 

Also fingen sie lebend einen Bullen und sperrten ihn in den Pferch zu den weiblichen Kühen. Und siehe da – nach einigen Monaten kam aus jeder Kuh ein Kälbchen! Das wiederholte sich Jahr für Jahr – aus einer Kuh konnten 5 – 6 Kälbchen so über die Jahre erzeugt werden. Die moderne Viehzucht war erfunden!

 

Wieso erzähle ich dir jetzt vom Beginn der Viehzucht, wenn es doch um das menschliche Kontinuum geht?

 

Dass, was die Menschen durch die Viehzucht lernten war, dass es nur ein einziges männliches Tier braucht, um eine ganze Herde zum Wachstum zu bringen.

Und den Männern wurde klar, dass sie selber genau das gleiche bei den Frauen bewirkten!

 

Ich muss eine kleine Erklärung zu den Lebensweisen der damaligen Zeit einführen, sonst verstehst du im Nachgang nicht, was ich sagen will:

 

Zu dieser Zeit wurde das natürliche, evo-biologische Matrifokal gelebt, das menschlich-mütterliche Kontinuum. Das heißt: alle Abstammung geht von der Mutter aus, alle Kinder, die sie geboren hat, sind ihre Nachkommen und die Töchter bleiben bei den Müttern bis an ihr Lebensende. Das nennt man Matrilinearität und Matrilokalität. Die Söhne leben ihre Sexualität mit sippenfremden Frauen aus, blieben aber in der mütterlichen Sippe beheimatet. Die Kinder der Schwestern und Cousinen sind die Kinder, mit denen sie spielten, sie erzogen und ihnen Rollenmodelle lebten. Eine „Vaterschaft“ wie wir sie heute kennen, war unbekannt, da alle Kinder der Mutter „gehören“. Nicht im Sinne von Besitz und Eigentum, sondern ganz natürlich aus dem Uterus heraus. Und die Bindung von Schwester und Bruder war stark und eng, denn beide haben zu unterschiedlichen Zeiten den Bauch der Mutter „bewohnt“.

 

Alle originär indigenen Stämme weltweit lebten bis zu den Eroberungen der westlichen Kolonialisten im Matrifokal – dem menschlich-mütterlichen Kontinuum, viele tun es heute noch.

 

Nun geht es weiter:

 

Folglich sahen sich die Viehzüchter als die „Besitzer“ nicht nur der Herden, sondern auch der Frauen, die sie schwängerten und ganz besonders über die geborenen Kinder.

 

Da sie das natürlich zu Anfang nicht mit ihren eigenen Sippenmüttern und -schwestern machen konnten, taten sie sich zu „Eroberungsgruppen“ zusammen und überfielen benachbarte Sippen und Stämme und raubten die Frauen und Mädchen. Und nachdem ihre eigene Region sozusagen „abgefischt“ war, wanderten sie mit ihren Herden nach Ost und nach West, immer auf der Suche nach neuen Frauen und Mädchen, die sie raubten und vergewaltigten und Ansprüche auf die dann geborenen Kinder erhoben.

 

Leider gibt es ein Band, das ist nahezu unzerstörbar – das Band zwischen einer Mutter und ihrem Kind, ganz besonders zur Tochter. Denn die Tochter ist die potentielle Fortführung der mütterlichen Ahnenlinie, in ihr lebt die Mutter, die Großmutter, die Urgroßmutter und alle Ahninnen vor ihr weiter.

 

Daher war es den frühen Patriarchen wichtig, so schnell wie möglich Mutter und Tochter zu trennen. Oft wurden die Mädchen gleich nach der Geburt ausgesetzt oder getötet, denn fortan galt nur noch der Sohn, das männliche Kind, als legitimer Nachfolger des Vaters. Die Patrilinearität war erfunden!

 

Durften Mädchen am Leben bleiben, wurden sie meist schon sehr jung oft mit den Söhnen alliierter Gefolgsmänner oder benachbarten Stammesfürsten „verheiratet“, um die Allianzen und Bündnisse der Männer zu festigen. Das galt ja noch sehr lange bis in unsere Zeit hinein, wenn Fürsten- und Königshäuser ihre Kinder miteinander verheirateten. In manchen Gegenden und Kulturen gibt es das bis heute.

 

Nochmal zum Gesamtverständnis:

 

aus dem Matrifokal – Mütter und Kinder im Zentrum – wurde das Patriarchat mit Eigentum und Besitz eines Mannes oder einer Männergruppe. Männer zuerst! Zuerst das beste Essen, zuerst das schönste Haus/Bett/Zelt und zuerst die schönsten Frauen und Mädchen. Frauen haben sich zuerst um die Bedürfnisse des Mannes – der Männer - zu kümmern und dann kommt erst der Rest.

 

Nicht mehr das gemeinschaftliche, mütterliche Kollektiv stand im Zentrum, sondern der mit Status behaftete Mann und seine Bedürfnisse.

 

Und irgendwann im Laufe dieser letzten 8.000 Jahre, spätestens mit dem Auftauchen der historischen „Hochkulturen“ vor ca. 4.000 Jahren, wurde uns das menschliche Kontinuum ausgetrieben.

 

Wenn du jetzt denkst, warum haben das denn die Frauen und Mütter mitgemacht? Und was haben denn die matrifokalen Männer dagegen getan? Auf diese Punkte gehe ich in den folgenden Blog-Episoden genauer ein, wenn ich über das Ur-Trauma und das Generationen übergreifende Stockholm-Syndrom berichte.

 

Hier findest du eingebettet diese Folge zum Anhören auf YouTube:

 

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